Nach einer intensiven Pilotphase schliesst die Regio 144 AG (Rüti) per Ende Januar 2026 das Projekt „Präklinischer Fachspezialist
(PFS)“ ab. «Über 300 geleistete Einsätze belegen den medizinischen Erfolg und den klaren Mehrwert für das Gesundheitssystem – gleichzeitig deckt das Projekt strukturelle Hürden auf»,
schreibt Regio 144 in einer Medienmitteilung vom Freitag (20. Februar 2026).
Das Projekt PFS wurde im August 2024 gestartet, um eine Antwort auf die stetige Zunahme von Rettungsdiensteinsätzen bei Patientinnen und Patienten mit geringer
akuter Behandlungsdringlichkeit zu finden. Ziel war es, diese über die Notrufnummer 144 eingegangenen Fälle gezielter zu steuern: Viele Betroffene benötigen keine sofortige
Hospitalisation, sondern profitieren mehr von einer direkten Zuweisung in hausärztliche Praxen, an die Spitex oder von einer abschliessenden Beratung und Versorgung vor
Ort.
Hohe Erfolgsquote in der Patientensteuerung
Die Bilanz der Pilotphase ist laut Medienmitteilung fachlich beeindruckend: In über zwei Dritteln der Fälle konnten die sechs spezialisierten Rettungssanitäterinnen
und Rettungssanitäter direkt vor Ort den optimalen Behandlungspfad ausserhalb eines Spitals einleiten. Dies führte nicht nur zu einer Entlastung der
Notfallstationen, sondern auch zu einer ausserordentlich hohen Zufriedenheit bei Patienten und Angehörigen. In rund einem Drittel der Fälle wurde nach der professionellen Beurteilung
durch den PFS die Indikation zur Hospitalisation gestellt, was die Sicherheit des Modells unterstreicht.
«Unsere Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter haben bewiesen, dass sie für dieses erweiterte Berufsbild nicht nur bestens geeignet, sondern geradezu
prädestiniert sind», bilanziert die Projektleitung. Die durch Ausbildung, Praktika und Einsätze gewonnene Expertise bleibe der Regio 144 AG als wertvolles Kapital erhalten. Das Projekt habe zudem
eindrücklich aufgezeigt, wie wichtig attraktive klinische Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Rettungsdienstes sind, um erfahrene Profis im Beruf zu halten.
Trotz des fachlichen Erfolgs hat das Projekt laut der Medienmitteilung aber «Grenzen im aktuellen Schweizer Gesundheitssystems» aufgezeigt:
- Im Bereich des Gesundheitsberufegesetzes und der Verrechenbarkeit von Leistungen, die nicht in einem Spitaltransport enden, bestehen weiterhin ungelöste Fragen. Dazu kommt, dass der Beruf des Rettungssanitäters bzw. der Rettungssanitäterin auf Bundesebene gesetzlich nicht verankert ist – obschon er eine tragende Säule in der Notfallversorgung darstellt.
- Da PFS als Teil des Rettungsdienstes betrieben wurden, erfolgte die Alarmierung ausschliesslich über die Notrufnummer 144. Hilfesuchende, die nicht die Notrufnummer 144 wählten, konnten daher nicht bedient werden und gingen dem PFS-System verloren. Dadurch entstanden zu wenig Einsätze. Um das volle Potenzial auszuschöpfen, wären neue Aufgebotswege oder ein grundlegendes Neudenken der Notrufnummer-Logik notwendig.
Auch wenn das Pilotprojekt in der aktuellen Form ende, seien die Erkenntnisse ein Gewinn, schreibt Rgio 144. Man wird diesen Erfahrungsschatz nun aktiv in
die nationale Debatte einbringen. (pd/bn)


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