Mitte Januar berichtete buebikernews über ein publiziertes Baugesuch des Kantons, wonach am Weiherrietweg beim Kämmoos in Bubikon – einem überkommunalen Naturschutzobjekt in der kantonalen Landwirtschaftszone – das Amt für Landschaft und Natur eine «Bodenaufwertung mit Erstellung von Stillgewässern» durchführen will.
Ähnliche kantonale Vorhaben im Zürcher Oberland – etwa eine rechtlich umstrittene «Bodenaufwertung» von Agrarland auf Gossauer Gemeindegebeiet oder eine «Moorregeneration» im «Ambitzgiriet» «zwischen. Wetzikon, Hinwil und Bubikon haben nun in Bubikon Teile der Bevölkerung aufgeschreckt: Was als Naturschutz-Vorhaben verkauft werde, entpuppe sich oft als hässliche und langwierige Baustelle mit umfangreichen Erdverschiebungen durch schweres Baugerät und mit störenden Eingriffen in die bestehende Natur. Wird auch hier, im Bubiker Weiherriet, das Sprichwort bestätigt, wonach «gut gemeint» das Gegenteil von «gut» bedeutet?
Humusschicht wird abgetragen und durch Kies ersetzt
Die amtliche Publikation vom 16. Januar 2026 enthielt praktisch keine Informationen, was genau in Bubikon vom Kanton geplant ist. Eine Informationstafel «Aufwertung Naturschuttzgebiet Kämmoosweiher», die im betreffenden Gebiet aufgestellt wurde, listet aber «geplante Massnahmen» auf: So soll der «Oberboden», also die etwa 40 Zentimeter starke Humusschicht, abgetragen werden, da sie zu viele Nährstoffe enthalte und verhindere, dass sich eine artenreiche Vegetation entwickle. Der abetragene Boden werde zur «Bodenverbesserung» auf Landwirtschaftsflächen in der Region «wiederverwendet». Ausserdem soll das Gebiet «wiederverwässert» werden durch «Verschluss der Entwässerungsleitungen». Und zudem sollen Kleingewässer angelegt werden für Libellen und Amphibien. Aus angrenzenden Schutzgebieten soll Saatgut für Flachmoorpflanzen für eine Begrünung sorgen.
Diese Pläne haben laut Informationen von buebikernews vor allem in landwirtschaftlichen Kreisen Kopfschütteln ausglöst: Die Pläne, Humus auf andere Landwirtschaftsflächen zu deportieren, seien wenig sinnvoll, da ein grosses Überangebot an Humus, auch aus Baugebieten, bestehe. Da offenbar geplant ist, den weggschafften Humus teilweise durch herangeführten Kies zu ersetzen, entstehe im Weiherriet eine Landschaft, wie sie gar nie war.
Laut der Infotafel ist der Baubeginn für Sommer 2026 geplant. Die Pläne zu diesem Baugesuch liegen auf der Gemeindeverwaltung, Abteilung Hochbau und Planung, noch bis 5. Februar 2026 auf. Sie sind ebenfalls online auf der Website des Kantons einsehbar.
(bn)



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Roland Kuemmerle (Donnerstag, 29 Januar 2026 19:36)
Lieber Herr Illi
Danke für diesen spannenden Beitrag!
Ich kann Ihre negative Berichterstattung jedoch überhaupt nicht nachvollziehen. Die Aufwertungen dieser sich im Besitz des Kantons gehörenden Naturschutzflächen sind zu begrüssen und bitter nötig. Sie wurden von der Bevölkerung im Kanton Zürich gutgeheissen, um den Biodiversitätsverlust zu bremsen. Durch Stickstoffeinträge aus der Umwelt sind diese Flächen über die Jahrzehnte überdüngt worden und mit der Zeit artenmässig verarmt. Wie ich dem Bericht entnehmen kann, sollen mit diesen Massnahmen nach nationalem Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) und im Kt. ZH geschützte Pflanzenbestände wieder hergestellt werden, d.h. Halbtrockenrasen, Pfeifengraswiesen und Fromentalwiesen. Diese gibt es in der Schweiz - und vor allem im Mittellandkanton ZH - im Vergleich zu früher trotz vom Schweizer Volk beschlossenen NHG im 1967 praktisch nicht mehr und die noch vorhandenen Lebensräume sind stark bedroht. Wieso ist das wichtig? Nur diese Flächen beherben eine hohe Pflanzenvielfalt an einheimischen Blütenpflanzen, welche wiederum den entsprechenden Insekten als Nahrungsgrundlage dienen, die wieder um zahlreichen anderen Tieren als Nahrung dienen wie z.B. versch. Vogelarten. Klar ist die zwischenzeitliche Bautätigkeit unschön, aber das sind Baustellen immer. Dafür dürfen wir uns in Zukunft beim Sonntagsspaziergang an den aufgewerteten Lebensräumen mit den farbenfrohen Blumenwiesen und Schmetterlingen und dem Vogelgezwitscher erfreuen. Ein grosser Gewinn für die Bevölkerung, die Erholungsräume und die Biodiversität in unserer Gemeinde!
Freundliche Grüsse
Roland Kümmerle
M.R. (Freitag, 30 Januar 2026 11:04)
Liebe Buebiker News
Vielen Dank für die spannende Berichterstattung.
Für mich ist diese nicht negativ, sondern informativ.
Ich bezweifle stark, dass die Bevölkerung des Kantons Zürich diese übertriebenen und extrem aufwändigen Aufwertungsprojekte tatsächlich gutheisst. Allein der Gedanke, wie viele Kubikmeter überdüngter Erde quer durch den Kanton transportiert und andernorts wieder eingebaut werden, ist absurd. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird genau diese Erde in einigen Jahren erneut abgetragen und zum nächsten Projekt gekarrt – alles auf Kosten der Zürcher Steuerzahler.
Dieses verkrampfte Festhalten an der Vorstellung, die Natur müsse wieder so aussehen wie vor Jahrzehnten, kann ich nicht nachvollziehen. Es werden sogar Wohnhäuser auf kantonalen Flächen abgerissen und wertvolles Kulturland geopfert, nur um einzelnen Amphibien mehr Lebensraum zu verschaffen. Das Thema Biodiversität darf nicht als Rechtfertigung für derart unverhältnismässige Projekte missbraucht werden.
Wenn es wirklich um ökologische Verbesserung ginge, könnte man genauso gut unsere monotonen Waldflächen roden und konsequent als Mischwald neu aufforsten. Ja, das wäre kurzfristig kein schöner Anblick – aber in 80 bis 100 Jahren hätten wir einen stabilen, gesunden und nachhaltigen Mischwald.
Das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Dafür müsste die Bevölkerung massiv reduziert werden – und das ist, besonders in grünen Kreisen nicht erstrebenswert.