Wolfhauser Engelberg – geschichtsträchtiger Ort

Der Wolfhauser Hof Engelberg, dessen um 1767 erbautes Haupthaus aus dem kommunalen Schutzinventar entlassen und abgerissen werden soll ("buebikernews" berichtete) ist ein äusserst geschichtsträchtiger Ort. Die Bubiker Dorfchronik "Bubikon/Wolfhausen – zwei Dörfer, eine Gemeinde" widmet der pittoresken Gebäudegruppe ein ausführliches Kapitel.

 

Der Hof wurde gemäss dieser Chronik vermutlich vom Weiler Lützelsee aus gegründet, der bis 1779 zu Bubikon gehörte und nebst dem Engelberg noch zwei weitere Ableger hatte, nämlich die Höfe "Angst und Noth" und "Unterpösch". Der Name "Engelberg" leitet sich wohl von der Witwe Margaretha Engly ab, die 1654 im Bevölkerungsverzeichnis des Bubiker Pfarrers auftaucht. Vom um 1650 erstmals erwähnten Hof Engelberg wissen wir, dass er 1669 zwischen Hans Rudolf Hürlimann und Heinrich Pfister aus Oberwolfhausen getauscht wurde. Aus den Lützelseer Hürlimann wurde später die berühmte Zürcher Brauerei-Dynastie, die Pfister sind heute noch ein alteingesessenes Wolfhauser Geschlecht. Um diese Zeit umfasste der Engelberg 32 Jucharten Land.

 

1767 verkaufte Hans Rudolf Pfister den Hof  – nunmehr mit 67 Jucharten Land – seinem reichen Schwiegersohn Caspar Bühler – einem Spross des Feldbacher Müllergeschlechts – für 7700 Gulden. Er war es, der kurz nach der Übernahme das Doppelhaus erstellen liess, welches nun, knapp 250 Jahre später, einem Ersatzbau weichen soll. 1816 teilten seine beiden Söhne den Hof, das nebst dem Doppelhaus noch aus Scheune, Trottenschopf, Wagenschopf und Speicher bestand. "Die ganze schöne Baugruppe ist zum Glück auch heute noch erhalten und bildet ein Paradebeispiel eines Einzelhofes, typisch für unsere Streusiedlungszone", berichtet stolz die Informationstafel, die die Vereinigung Natur und Umwelt im Jahr 1997 anbringen liess.

 

Heinrich Bühler, der 1816 den Westteil des Doppelhauses geerbt hatte, baute im Zuge einer weiteren Hofteilung 1839 etwa 100 Meter nördlich ein neues Haus "im Stil des damals üblichen Vielzweckbaus", wie die Ortschronik schreibt. Auch von diesem Haus ist heute lediglich noch eine Mauerecke erhalten: Vor wenigen Jahren wurde der grösste Teil des Haus abgerissen. Um einen einzigen Fassadenrest herum wurde ein Ersatzbau errichtet, der von den Baudimensionen her zwar an das alte Bauernhaus erinnert, in Wirklichkeit aber eine moderne und luxuriöse Wohnresidenz ist.

 

Vereinigung Natur und Umwelt will Situation prüfen

 

Die Vereinigung Natur und Umwelt Bubikon-Wolfhausen, welche 1997 die 61 kulturhistorischen Tafeln in der Gemeinde angebracht hatte, will sich diese Woche mit dem Fall Engelberg befassen, wie Präsident Herbert Eigenmann gegenüber "buebikernews" erklärte. Der Verein war nicht über die Neubaupläne im Engelberg, dessen Geschichte die Tafel 44 gewidmet ist, informiert worden.

 

In einem alten amtlichen Aufruf erwähnt: Engelberg-Bewohnerin Katharina Heusser im Jahr 1768.
In einem alten amtlichen Aufruf erwähnt: Engelberg-Bewohnerin Katharina Heusser im Jahr 1768.

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