Kommentar. «Da haben wir ganz andere Rückmeldungen aus der Bevölkerung.» So pflegt man in der Regel im Gemeindehaus leicht pikiert Online-Umfragen von buebikernews zu Themen der Gemeindepolitik zu kommentieren.
Der Wahlausgang vom Sonntag (8. März 2026) zeigt nun allerdings: Die im Dezember 2025 durchgeführte Befragung mit 236 Benotungen sah den Wahlausgang beim Gemeinderat ziemlich präzise voraus. Der sympathische Vizepräsident Martin Kurt (FDP) führte die Rangliste in der Beliebtheitskonkurrenz klar an, Präsident Hans-Christian Angele (FDP) hingegen wurde ebenso auf die zweite Ranglistenhälfte verwiesen wie die junge SVP-Gemeinderätin Seraina Billeter. Nur in einem Punkt irrten sich unsere Leserinnen und Leser: Sie sahen Severin Länzlinger (FBV) deutlich vor Reto Frey (GLP), die Wirklichkeit zeigte, dass es genau umgekehrt war. Das Abschneiden Finanzvorsteherin Susanne Berchtold (FDP) wurde in der Umfrage richtig eingeschätzt.
Zum Wahlausgang ist eine weitere Nachbemerkung angebracht: Im konservativ-ländlichen Bubikon existiert, wer hätte das gedacht, ein starkes linkes Wählersegment. JUSO-Kandidat Silas Muggli erreichte mit 832 Stimmen ein überraschend gutes Aussenseiter-Resultat und kam dem absoluten Mehr recht nahe. Wie hätte der junge Wolfhauser Lehrer wohl abgeschnitten, wenn er von der lokalen SP tatkräftig – und nicht nur mit einer dürrren Medienmitteilung – unterstützt worden wäre? Die SP hatte ihre Entscheidung, ob sie Muggli – auch er ist SP-Mitglied – unterstützen wolle oder nicht, so lange hinausgezögert, dass Muggli mit seinem Wahlflyer nicht mehr am Versand der Parteivorständekonferenz (PVK) teilnehmen konnte. Damit hat die SP Muggli zweifellos geschadet, zweifellos aber auch sich selber: Die Partei, seit Jahrzehnten nicht mehr in der Bubiker Exektuve vertreten, fristet seit rund zehn Jahren ein marginales Dasein nicht mehr als eigenständige Sektion, sondern nur noch als informelle «Ortsgruppe» innerhalb der SP-Bezirkspartei. Die Chance, sich in der Gemeinde wieder als ernst zu nehmende Stimme zu positionieren, wurde klar verpasst. Schade.
Und schliesslich ist noch ein Blick auf die Wahl ins Gemeindepräsidium zu werfen. Hans-Christian Angele wurde zwar als Gemeinderat ungefährdet bestätigt, als Präsident hingegen erhielt er bei 1414 eigenen Stimmen Konkurrenz durch 533 «Vereinzelte». Wer waren diese «Vereinzelten»? Man darf spekulieren, ob es in Bubikon wie in Gossau einen «Kündig-Effekt» gegeben hätte, wenn jemand der Bisherigen auch offiziell für das Präsidium angetreten wäre...
Thomas Illi, Redaktionsleiter buebikernews

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