So wurde beim ZO vor 40 Jahren gearbeitet...

(Bild: Privatarchiv)
(Bild: Privatarchiv)

 

Vor rund 40 Jahren, Mitte der achtziger Jahre, wurde der «Zürcher Oberländer» von rund einem Dutzend Redaktorinnen und Redaktoren recherchiert, geschrieben, redigiert und gelayoutet. Die Auflage der Zeitung (noch ohne Uster) betrug damals rund 30'000 Exemplare, war also etwa doppelt so gross wie heute.

 

Arbeitsbeginn für die Redaktion war in der Regel um 09.00 Uhr, wer Nachtdienst hatte, durfte etwas später kommen. Zunächst galt es, sich einen Überblick über die Ereignisse der Nacht und über die bevorstehenden Ereignisse des neuen Tages zu verschaffen, die in Bergen von Agenturmeldungen auf Papier ab Telex vorlagen und permanent neu eintrudelten.. Auch die Post war auf mögliche «News» zu durchforsten. Bis zur Vormittagssitzung der Ressortverantwortlichen mit Chefredaktor Oscar F. Fritschi war ein Tagesplan zu erstellen, was in der nächsten Ausgabe ungefähr stehen müsste. Pro Ressort war in der Regel eine Seite zu füllen, bei grösseren Ereignissen (zum Beispiel Session in Bern) auch zwei. Was ins Blatt kam und wie (Dreispalter, Zweispalter, Kurzmeldung, mit oder ohne Bild etc.), lag weitgehend im Ermessen der Ressortverantwortlichen. 

 

An dieser Vormittagssitzung wurde aufgrund der Anzeigenseiten der Umfang des Blattes festgelegt, und der Chefredaktor oder ein Stellvertreter bestimmte, was von den Themen mit einem grösseren oder kleineren «Anriss» auch auf die Frontseite musste.

 

Dann wurde gearbeitet: Eigene Texte und Kommentare verfassen (auf einer IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine), Agenturmeldungen und Fotofax-Bilder sichten und sortieren, eventuell selber auswärts an eine Medienorientierung gehen, telefonisch recherchieren, Meldungen von Agenturen oder freien Mitarbeitern redigieren: kürzen, umschreiben, mit typgrafischen Anweisungen für die Setzerinnen und Setzer versehen.

 

Schon früh am Nachmittag fand der Umbruch der ersten Seiten satt. Zusammen mit einem «Metteur» gestalteten die Ressortverantwortlichen aufgrund der bereits im Fotosatz vorliegenden Texte das Layout der Seiten. Früh dran waren etwa Kultur, Regionalseiten der Bezirke Hinwil und Pfäffikon, später und spät am Abend dann Schweiz, Wirtschaft, Sport, Ausland.

 

Ganz wichtig: Jede fertig umbrochene Seite gelangte als Papierkopie nicht nur ins Korrektorat, sondern auch auf den Tisch jedes anwesenden Redaktionsmitglieds. Dieser Abzug war sorgfältig zu studieren, um grobe «Böcke» und «Zeitungsenten» zu vermeiden. So wurden vom Redaktionskollegium beispielsweise Meldungen entdeckt, die vielleicht schon am Vortag im Blatt waren oder auf zwei verschiedenen Seiten vorkamen, so genannte Doubletten. Auch krasse Fehler wie etwa falsche Wahlanleitungen waren praktisch ausgeschlossen, denn irgendjemand aus der versammelten journalistischen und politischen Kompetenz hätte bestimmt bemerkt, dass bei Gemeinderats- und Schulpflegewahlen ganz sicher kein Kumulieren und Panaschieren zulässig sind.

 

Etwa um 17.00 Uhr fand eine zweite Konferenz mit einem Update der Themen für die nächste Ausgabe und insbesondere für die Frontseite statt. Ressorts, die sich in den Abend hinein bis zum Redaktionsschluss, der um Mitternacht war, zogen, durften ab 18.30 Uhr die Verantworgtung für ihre noch offene Seiten dem Nachtdienst übergeben.

 

Nachtdienst hatte man immer eine Woche lang. In den Stunden bis Mitternacht war man quasi allein «Chefredaktor» der Zeitung, musste noch eintreffende Meldungen, namentlich im Sport und Auslandteil, auswählen und druckfertig bearbeiten. Man hatte in diesen Stunden aber auch eine riesige Verantwortung, denn jetzt wurde man nicht mehr vom Kollegium kontrolliert, und man musste bei unklarer Nachrichtenlage selber entscheiden, ob das noch ins Blatt muss oder bis zum anderen Tag warten kann.

 

Der Schreibende hatte am 26. April 1986 Nachtdienst, als sich Agenturmeldungen über erhöhte Radioaktivität in Skandinavien und über eine mögliche Ursache in einem sowjetischen AKW zu häufen begannen: die Katastrophe von Tschernobyl! Bei solchen Grossereignissen war es aber durchaus auch möglich, dass sich der Ressortverantwortliche von zu Hause aus auf der Redaktion telefonisch meldete und man sich mit ihm beraten konnte.

 

Heute, so hört man, ist Redaktionsschluss für die  Printausgabe des «Zürcher Oberländers», trotz Internet mit Livetickern und allgegenwärtiger Newsflut, am späteren Nachmittag so um 17.00 Uhr...

 

Mit dem damaligen Kürzel: (ti)

 

 

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