Der ZO hat ein Problem mit der Glaubwürdigkeit

Gedruckter ZO-Artikel vom Samstag (7. Februar 2026)
Gedruckter ZO-Artikel vom Samstag (7. Februar 2026)

 

Leitartikel. Ältere ehemalige Mitarbeitende des «Zürcher Oberländers» erinnern sich bestimmt an folgende Episode, die Zürcher Pressegeschichte schrieb: In der Zeit der Zürcher Jugendunruhen der achtziger Jahre setzte der damalige Auslandredaktor im Nachtdienst zur Meldung, wonach die Zürcher Stadtpolizei einer jungen Demostrantin mit Gummischrot ein Auge ausgeschossen habe, den hanebüchenen Titel «Wer nicht hören will, muss fühlen». In der Folge reiste eine Aktivistengruppe mit dem Zug nach Wetzikon und demolierte die Fassade des Druckereigebäudes in Wetzikon...

 

Als ähnlich gravierend und mediengeschichtsträchtig ist die publizistische Fehlleistung des «Zürcher Oberländers» vom Samstag (7. Februar 2026) einzustufen: In einer Box zum Wahlleitartikel von Chefredaktor Michael Kaspar wurde über drei Spalten behauptet und an einem Beispiel konkret ausgeführt, Exekutiven wie Gemeinderat und Schulpflege würden nach dem Proporzwahlsystem durchgeführt, und es sei erlaubt und durchaus sinnvoll, Kandidaten zu kumulieren (doppelt aufzuführen) und Listen zu panaschieren. Eine haarsträubende Falschaussage, welche Fragen nach der Kompetenz dieser Zeitung und ihres Chefredaktors aufwirft.

 

Online wurde der unglaubliche Fehltritt zwar sehr diskret beseitigt, aber weitere Massnahmen, durch diese kreuzfalsche Wahlanleitung in der gedruckten Ausgabe fehlgeleitete Wählerinnen und Wähler wieder auf den richtigen Pfad zu bringen, sind bisher nicht auszumachen.

 

Denn wer seinen Wahlzettel nach dem Kaspar-Rezept ausfüllt, wählt ungültig, und der ZO könnte mit seinem Artikel bei Hunderten von falsch informierten Wählerinnen und Wählern genau das Gegenteil der Absicht erreichen, einen Beitrag zur Demokratie zu leisten.

 

Zweifellos hat der ZO aktuell ein Problem mit seiner Glaubwürdigkeit. Um diese wiederherzustellen, erwartet die Öffentlichkeit im Zürcher Oberland zumindest Antworten auf ein paar wichtige Fragen:

  • Wie gelangten solche Falschinformationen in die Box «So wählen Sie richtig (sic!)»?
  • Hat der ZO-Chefredaktor, der den ganzen Artikel persönlich zeichnete, wirklich keinen blassen Schimmer, wie Wahlen in Gemeinderäte und Schulpflegen tatsächlich durchgeführt werden?
  • Oder hat da am Ende eine falsch instruierte KI mitgeschrieben?

 

Wir sind sehr gespannt, was uns die Wetziker Zeitung morgen Montag dazu bringt....

 

 

 

Thomas Illi

Redaktionsleiter buebikernews,

Ressortleiter Inland/Wirtschaft beim ZO von 1982 bis 1987,

Aktionär der Zürcher Oberland Medien AG

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kein ZO Leser (Sonntag, 08 Februar 2026 16:08)

    Seit man sich den Allerwärtesten nicht mehr mit Zeitungspapier abwischen muss, gibt es keinen Grund mehr, den ZO zu abonnieren!