«Zigeunersalat» verpönt, aber «Fecker-Chilbi» schützenswert

 

(Screenshots: IGE/Swissreg)

 

Die JUSO Zürcher Oberland fordert von der Grossbäckerei/Konditorei Steiner, die auch in Wolfhausen eine Niederlassung betreibt, ihren Wurst-Käse-Salat nicht mehr als «Zigeunersalat» zu verkaufen. Die Bezeichnung sei diskrimierend und rassistisch, so die Jungsozialisten (buebikernews berichtete).

 

Dass mit volkstümlichen, aber heute verpönten  Bezeichnungen bedachte Minderheiten mitunter auch stolz sind auf eigentlich abschätzig wirkende Wörter, zeigt das Beispiel «Fecker». «Fecker» werden seit alters im Schwyzer Talkessel Fahrende wie Jenische, Sinti und Roma genannt. Das Wort stammt vom Dialekt-Verb «fecken», welches «unstetig und müssig herumstreifen» bedeutet. Besonders in Gersau hat «Fecker» aber eine jahrhundertealte Tradition: Hier wurde und wird regelmässig die «Fecker-Chilbi» gefeiert, seit einigen Jahren auch anderswo in der Schweiz. 

 

Die Begriffe «Fecker» und «Fecker-Chilbi» gelten mittlerweile als absolut salonfähig: 2019/2020 wurden sie von Alfred Werro, einem prominenten Jenischen und Beirat der Radgenossenschaft, sogar markenrechtlich geschützt. Der Schutz gilt laut der Markendatenbank des Instituts für geistiges Eigentum aktuell bis 2029 beziehungsweise 2030. Werro ist auch Präsident einer 1985 gegründeten Genossenschaft «fahrenes Zigeuner-Kultur-Zentrum», die «Zigeuner-Kulturwochen» organisiert. Werro vertritt laut der Website «zigeunerkultur.org» die Ansicht dass Begriffe wie «Zigeuner» und «Fecker» durchaus als selbstbestimmte Selbstbezeichnung verwendet werden dürfen und sollen. Es komme «immer darauf an, wer mit welcher Absicht, Wortwahl und in welchem konkreten Kontext sich des "Z-Wortes" bedient». 

 

Ein Begriff, der sich vom abwertenden Schimpfwort zur positiv umgedeuteten Selbstbezeichnung gewandelt hat, nennt man in der Fachsprache «Geusenwort».

 

(bn)

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Danke (Montag, 29 Dezember 2025 10:05)

    Danke für die Aufklärung, da sieht man wie wichtig gute Medien sind.

  • #2

    An die JUSO von einer Herzens-Sinti (Montag, 29 Dezember 2025 13:06)

    Zunächst, vielen Dank an bn für den interessanten Artikel. Den Ausdruck Geusenwort kannte ich nicht. Das Wort soll aus dem Niederländischen kommen. Also ein Wort, welches die Gosse verlassen hat.
    Bitte an die JUSO: Wie wäre es, wenn sich die JUSO für reale Aufgaben und Anliegen etwas stark machen - oder gar selber anpacken würde. Zum Beispiel: Einsatz gegen das Littering. Oder Beheben von bereits vorhandenem Littering. Dazu muss man sich allerdings bücken, selbst wenn der Rücken schon etwas schmerzt. Oder setzen Sie sich doch für die Einhaltung des Feuerwerksverbots in den etlichen Zürcher Oberländer Gemeinden ein. Laufen Sie durch die Gegend und informieren Sie die Menschen, was sie mit diesen Verhaltensweisen alles anrichten - Menschen, Tiere und Natur schädigen. Sowohl mit dem Littering als auch mit den schädigenden Feuerwerken. Zu mühsam? Es würde sich aber lohnen. Danach kann man einen Zigeunersalat mit guten Gewissen essen. Die Fecker, Sinti und Zigeuner können sich sehr wohl selbst für ihre Anliegen einsetzen. En guätä Rutsch, allen! Es grüsst: eine Herzens-Sinti - also eine, die sich den Mund, das Handeln und Provozieren, sowie das selbstständige Denken nicht verbieten lässt....

  • #3

    Ade du schöne Tradition (Montag, 29 Dezember 2025 16:00)

    ...ade Wienerli, ade Berliner, ade Frankfurterli, adieu Pariserli usw.. Alle fühlen sich diskriminiert.

  • #4

    Anti Juso (Dienstag, 30 Dezember 2025 15:02)

    Und so ein JUSO Mitglied will in den Bubiker Gemeinderat. Nein Danke.

  • #5

    Danke (Mittwoch, 31 Dezember 2025 09:42)

    Darf man JUSO noch sagen? Ist es nicht ein Schimpfwort für Krawallanten und Störer geworden? Deswegen habe ich von Silas keine Angst, der ist hier aufgewachsen.

  • #6

    Anni (Mittwoch, 31 Dezember 2025 11:51)

    Bitte nicht noch mehr Verbote durchsetzen. Mir reicht schon dieses dämliche Feuerwerksverbot.