Vom Engelberg aus wurde handfest politisiert

Engelberg-Jungbauer Heinrich Bühler war einer der Rebellen des Bockenkriegs von 1804

Der Wolfhauser Hof Engelberg, dessen um 1767 erbautes Haupthaus aus dem kommunalen Denkmalschutz-Inventar entlassen und abgerissen werden soll ("buebikernews" berichtete), war einer der politischen Schauplätze des Bockenkriegs von 1804, bei dem sich die Landbevölkerung gegen die Stadtzürcher Obrigkeit wehrte: Der 30-jährige Heinrich Bühler vom Engelberg gehörte mit zu den Aufrührern; er wurde nach der Niederschlagung des Aufstands am 6. Juni 1804 vom Obergericht in Abwesenheit zu einem Jahr Verbannung und 12 Jahren Einstellung im Aktivbürgerrecht verurteilt. Auserdem musste er 800 Franken Kaution und die Gerichtskosten bezahlen.

 

Worum ging es in diesem Bockenkrieg? Der Einmarsch der Franzosen 1798 hatte die Herrschaft des feudalen Stadtstaates Zürich über die umgebende Landschaft – auch das Zürcher Oberland – weggefegt. Doch schon 1803, mit der sogenannten Mediationsverfassung, versuchten die "Gnädigen Herren" zu Zürich ihre Macht- und Steueransprüche wieder zu erlangen. Dagegen wehrten sich 47 der 192 Gemeinden, teilweise mit gewalttätigen Aufständen. Zürich musste eidgenössische Truppen zu Hilfe rufen. Im Raum Horgen – wo sich das Landgut Bocken befindet und wo der Hauptanführer der Rebellen, Hans Jakob Willi, herstammte – kam es im März 1804 zu eigentlichen kriegerischen Handlungen. Militärisch siegten zwar die Rebellen in der Horgner Schlacht gegen die eidgenössischen Truppen, politisch brach der Aufstand aber bald auseinander. Viele Anführer wurden verhaftet und vor Gericht gestellt, einige hingerichtet und viele weitere in Abwesenheit verurteilt. Die Köpfe der Revolution stammten durchwegs aus der ländlichen Oberschicht, waren Kantonsräte, Offiziere, Gemeindevorsteher, Kaufleute oder – wie Heinrich Bühler – wohlhabende Bauernsöhne.

 

Wie einer 1838 in Buchform erschienenen Dokumentation der Gerichtsakten entnommen werden kann, befanden sich unter den als Rädelsführer Verurteilten auch drei Männer aus Bubikon. Nebst Heinrich Bühler vom Engelberg Hauptmann Caspar Wild aus Wolfhausen sowie Caspar Muschg aus Bubikon. Hauptmann Wild hatte eine Kompanie Rebellen aufgestellt und war nach Bubikon, Männedorf und Stäfa marschiert. Caspar Muschg wurde vorgeworfen, einen aufwieglerischen Brief nach Wald geschrieben und "das Verständnis mit den bewaffneten Rotten von Dürnten und Bubikon unterhalten" zu haben. Der junge Heinrich Bühler vom Engelberg schliesslich war laut den Akten "ein thätiger Aufwiegler und Teilnehmer an der rebellischen Bewaffnung".

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