Wo genau liegt der Skandal beim deutschen Knacki in Ringwil?

Ein deutscher "Stern"-Journalist hat sich einen Spass daraus gemacht, eine Tempobusse (16 km/h zu schnell) von 350 Franken nicht zu bezahlen und stattdessen die Strafe im "Justiz-Vollzugszentrum Bachtel" abzusitzen, notabene zu 400 Franken Unterbringungskosten zu Lasten der Steuerzahlenden. Und die "NZZ am Sonntag" machte sich einen Spass daraus, den Erlebnisbericht dieses Herrn Philipp Mausshardt abzudrucken.

 

Das nervt uns Schweizerinnen und Schweizer wieder einmal gewaltig. Warum eigentlich? Worin liegt genau der Skandal bei dieser Geschichte? Dass der deutsche Knacki seinen zweitägigen Aufenthalt in Ringwil als Ferien empfand? Dass jedes Zimmer mit Flatscreen-TV und 42 Sendern ausgestattet ist? Dass der Aufseher für den Fernsehempfang am Schluss noch ein Fränkli kassieren wollte? Dass Zellen-, pardon: Zimmergenosse Mustafa in der Lage war, Gras anzubieten? Dass uns die arroganten Nachbarn im Norden wieder einmal für voll behämmert halten dürfen? Dass wieder einmal ein Wochenende voller Gewalt mit Messerstechereien, Schlägereien und schweren Körperverletzungen hinter uns liegt? Dass jeder zehnte Schweizer Stellungspflichtige bereits vorbestraft ist und ein Sicherheitsrisiko für die Armee darstellt? Dass uns dies alles nicht verwundert, angesichts der Zustände in den Zürcher Knästen?

 

Ich denke, am meisten nervt uns doch dies: Dass wir eigentlich genau wissen, dass es mit dem Nichtvollzug des Strafrechts so einfach nicht weitergehen kann, dass wir dies selber aber nicht genügend artikulieren, um etwas zu bewirken. Dass es einen ausländischen Journalisten braucht, um uns unser Unvermögen vor Augen zu führen.

 

Thomas Illi, Chefredaktor "buebikernews"

 

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