Manchmal läuft es halt ein bisschen schräg...

 Wenn Chefredaktoren sich berufen fühlen, meinungsbildend in Abstimmungskämpfe einzugreifen, kann es manchmal auch ziemlich schräg laufen. Selbst dann, wenn man wie Michael Kaspar selber in der Gemeinde wohnt, über die man schreibt.

 

Bei der am 9. September 2023 in der gedruckten Ausgabe publizierten leitartikelartigen Vorschau auf die Bubiker Gemeindeversammlung vom kommenden Mittwoch zur Abwasservorlage verfällt der Chefredaktor des «Zürcher Oberländers» zusehends ins Narrativ des «Desaster» produzierenden früheren Gemeinderats und ins Schwärmen für die neue Behörde. Deren Vorlage sei «offenbar um einiges durchdachter» als jene, die 2020 von der damaligen Gemeindepräsidentin Andrea Keller während der kontroversen Versammlung zurückgezogen war. SP, Mitte und FDP hätten jetzt Ja-Parolen beschlossen, schreibt Kaspar, und die Ausgangslage für den 13. September sei «ruhig und gut», 

 

Dumm nur, dass einige Stunden vor Erscheinen des Blattes auch beim ZO die Stellungnahme der SVP Bubikon zur Abwasservorlage eingegangen war. Darin schreibt Seraina Billeter, die Präsidentin der auch in Bubikon wählerstärksten Partei und gleichzeitig selber neugewähltes Mitglied des von Kaspar so mit Lob überhäuften neuen Gemeinderats, ihre SVP sei «entschieden» gegen die Vorlage. Und sie führt in der Medienmitteilung zahlreiche Argumente gegen die neue Gebührenordnung an, die in ähnlicher Form schon vor drei Jahren gegen die frühere Fassung zu hören waren.

 

Alles «ruhig und gut»? Man wird es am kommenden Mittwoch sehen. Zuvor aber ist zu hoffen, dass das Communiqué der SVP auch in die Berichterstattung des ZO noch Eingang findet. Man will sich beim Wetziker Medienhaus ja wohl kaum den Vorwurf einhandeln, durch Unterschlagung von wichtigen Fakten einseitig auf Volkentscheide eingewirkt zu haben.

 

Thomas Illi, Redaktonsleiter buebikernews

(Screenshot ZO vom 9.9.23)
(Screenshot ZO vom 9.9.23)

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