Fr

09

Dez

2011

NZZ spricht Klartext

Mit ungewöhnlich scharfen und klaren Worten kommentiert heute die "Neue Zürcher Zeitung" den Skandal um Bruno Zuppiger. Nicht nur der gescheiterte Bundesratskandidat kriegt von Kommentator Martin Senti sein Fett weg, sondern auch die SVP-Führungsspitze um Toni Brunner und Caspar Baader: "Der Plan hat sich nun in aller Heftigkeit gegen die vermeintlich mit allen Wassern gewaschene SVP-Spitze selber gerichtet. Diese hat eine strafrechtlich relevante und vor allem ziemlich unappetitliche Erbschleicher-Causa als Lappalie (fehl)eingeschätzt." Und weiter: "Die Strategie der SVP-Spitze war es, die Konkurrenz zu blenden. Sie hob gezielt einen in der öffentlichen Wahrnehmung vermeintlich «anständigen» SVP-Kandidaten auf den Schild – im Wissen darum, dass es dieser im privaten Berufsleben mit dem Anstand nicht immer so genau nimmt." In Bundesbern, so der Kommentar, "war man sich am Rande der Session rasch einig: Wem man keine Erbschaft anvertrauen kann, dem kann man erst recht nicht das ganze Land anvertrauen...Weder Zuppigers Kantonalpartei noch die Bundeshausfraktion wussten bei der Nominierung Zuppigers Bescheid über dessen Verfehlungen – und den Zündstoff, den diese Kandidatur in sich trug. Die spontanen Reaktionen unmittelbar nach der Enthüllung sprachen Bände: «Unterste Schublade» oder «Das stinkt zum Himmel» waren noch die nobleren Ausdrücke, die am Mittwochabend gestandenen SVP-Politikern zu entlocken waren."

 

Bruno Zuppiger selber versucht nach wie vor, die Affäre herunterzuspielen. In einem Interview, das in der "Südotschweiz" und in der "Aargauer Zeitung" abgedruckt wurde, schiebt er die Schuld weiter auf einen Mitarbeiter, für dessen Tun er lediglich die Verantwortung übernehme, und beruft sich, wenn es heikel wird, auf die Schweigevereinbarung mit der Gegenpartei: Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass ein Erbteil auf eines seiner Konten ausbezahlt worden sei, sagte Zuppiger, er wolle "nicht auf Details eingehen, da er sich an die Schweigeverpflichtung gebunden" fühle. Dass er die Überweisung von 100 000 Franken selbst unterzeichnet habe, sei richtig, hielt Zuppiger fest. Der – inzwischen pensionierte – Mitarbeiter habe ihm das Dokument zur Unterschrift vorgelegt.

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