Sa
22
Okt
2011
Bubikon hat dieses Jahr sein 1200-Jahr-Jubiläum gefeiert. Eigentlich ist Bubikon ja viel älter, was jeder Historiker bestätigt. Vor 1200 Jahren wurde unser Dorf lediglich erstmals urkundlich unter diesem Namen ("Puapinchova") erwähnt – zusammen mit unzähligen weiteren Dörfern, die 2011 allesamt ebenfalls ein 1200-Jahr-Jubiläum begehen. Selbstverständlich blieb unseren Behörden gar nichts anderes übrig, als dieses Jubiläum gebührend zu feiern, nur schon wegen des Gruppendrucks. Und schlussendlich darf das Bubiker Fest ja auch als ausgesprochen gelungen bezeichnet werden.
Wie aber steht es um andere "Jubiläen"? Ist der 50. Jahrestag der Einweihung eines Schulhauses ein zwingender Grund für ein Gedenkfest? Sternenberg steht in der heutigen ZO-Ausgabe in der
Kritik, genau ein solches "Jubiläum" vergessen zu haben. Das wirft die Frage auf: Welche "Geburtstage" öffentlicher Bauten sollten denn gefeiert werden? Gemeindehäuser, Schulhäuser, Turnhallen,
Kirchen, Kirchgemeindehäuser? Mehrzweckhallen, Bahnhöfe, Bahnhofunterführungen? Brücken, Tunnels, Bushäuschen, Feuerwehrgebäude, Pfadihäuschen, Jugendhäuser? Hallenbäder, Pfarrhäuser,
Gemeindebibliotheken, historische Gebäude, Spitäler, Altersheime? Alterssiedlungen, Pflegeheime, Jugendheime, Kindergärten? Und welcher Jubiläumsrhythmus ist angemessen: alle 10, alle 25, alle
50, alle 100 Jahre? Wer führt die Agenda über all diese Jubiläen, damit ja keines vergessen geht? Und gibt es nicht noch weitere Anlässe, Jubiläen zu feiern, die nicht an einem Gebäude
festgemacht werden können? Etwa der Erlass einer neuen Gemeindeordnung, eine historische Schlacht auf Gemeindegebiet, das Gedenken an ein Hochwasser oder ein Erdbeben? Und wie steht es mit hohen
Geburtstagen von noch lebenden und mit Gedenktagen für verstorbene prominente Einwohner? Und die Amtszeitjubiläen etwa des Gemeidepräsidenten, des Pfarrers oder des im Ort wohnhften
Kantonsrats?
Dorffeste sind schöne Ereignisse, wenn sie ungezwungen und möglichst spontan über die Bühne gehen. Ein starrer, mit fragwürdigen Jubiläums-Terminen vollgestopfter Festkalender jedoch bewirkt eher das Gegenteil. Und verursacht Unwillen und Abneigung bei all jenen, die solche Feste dann realisieren müssen, in erster Linie Freiwillige der Dorfvereine. Dorfvereine, für solche Zwecke oft überstrapaziert und manchmal auch ein bisschen missbraucht, haben in der Regel andere Vereinszwecke als das Organisieren von Festen.
Thomas Illi