Sa

30

Jul

2011

Ortsplanung mit 7000 als "oberer Einwohnerzahl"

So stellte man sich um 1980 die Zukunft Bubikons vor

Dorfchroniken sind eine Fundgrube. Nicht nur sind sie das kollektive Gedächtnis für Vergangenes, sondern oft auch amüsantes Zeugnis für Vorstellungen der Vergangenheit, wie die Zukunft sein wird. Auch die Anfang der achtziger Jahre von Max Bührer, Kurt Schmid und Jakob Zollinger aufwändig recherchierte und liebevoll gestaltete, zweibändige Bubiker Chronik unter dem Titel "Bubikon-Wolfhausen: Zwei Dörfer – eine Gemeinde" enthält, obwohl noch nicht 30 Jahre alt, Äusserungen über die Zukunft unserer Gemeinde, die uns heute schmunzeln lassen.

 

So berichtet die Chronik über die am 25. Juli 1979 von der Gemeindeversammlung beschlossene Ortsplanung. Eine elfköpfige Ortsplanungskommission erstellte daraufhin ein Leitbild, das als hauptsächliches Planungsziel eine "lockere, ländliche Überbauung mit einer oberen Einwohnerzahl von 7000" nannte. Besorgt findet sich dazu die Klammerbemerkung, dass 1983 die Zahl von 4000 bereits überschritten sei.

 

Wir wissen es: Sieben Jahre später wurde die S-Bahn eröffnet, und sie brachte Bubikon einen Bauboom an Industrie-, Gewerbe- und Wohnbauten und ein rasantes Wachstum der Bevölkerung.  Die Gemeinde Bubikon wies am 31. Dezember 2010 eine Einwohnerzahl von 6573 auf.  Ein 2009 präsentiertes neues "Leitbild Siedlungsentwicklung" nennt eine "Kapazitätsgrenze" von 8500 Einwohnern, die allerdings auf dem Zonenplan basiert, der ja allenfalls auch angepasst werden könnte. Die 8000er Grenze könnte  schon 2023 überschritten sein.

 

Auch weitere Ziele aus dem Leitbild der achtziger Jahre wirken, obschon erst 30 Jahre seither vergangen sind, idyllisch. So wollte dass damalige Leitbild eine lediglich "massvolle Förderung von neuen Industrie- und Gewerbebetrieben unterstützen" und "Industrie- und Wohnzone aus Immissionsgründen besser trennen", was in Wolfhausen Illusion blieb.

 

Viele Details des Leitbilds sind allerdings derart selbstverständlich Wirklichkeit geworden, dass wir ebenfalls staunen: So war es noch Anfang der achtziger Jahre erst eine Plan-Forderung, dass das "Kabelfernsehen eingeführt" wird, dass "Fuss- und Radwege verbessert" werden, und dass die "Niveauübergänge der Bahn eliminiert" werden. In Bubikon sollte zudem ein Alterssiedlung erstellt werden (die war 1983 schon im Bau), und in Wolfhausen sollte ein Kirchgemeindehaus entstehen, das etwas mehr als zehn Jahre später in etwas anderer Form, als Ökumenisches Zentrum, realisiert wurde.

 

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